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Geschichte
Das Gemeindegebiet von Jois zählt zu den ältesten Siedlungsplätzen des Burgenlands. Zahlreiche und bedeutende archäologische Funde belegen die bewegte Geschichte bis zurück in die Zeit um 7.000 v.Chr. Auch Kelten und vor allem die Römer haben ihre Spuren in Jois und Umgebung hinterlassen, ebenso die stürmische Zeit der Völkerwanderung, die Türkenkriege und die Habsburger Königin Maria von Ungarn. Wenn Sie mehr über die Geschichte der Gemeinde, Geräte aus Feuerstein und die hinkende Germanin von Jois erfahren möchten, darf ein Besuch des Museum Jois in Ihrem Urlaubsprogramm nicht fehlen. mehr ...
Das Gemeindegebiet von Jois zählt zu den ältesten Siedlungsplätzen des Burgenlands. Zahlreiche und bedeutende archäologische Funde belegen die bewegte Geschichte bis zurück in die Zeit um 7.000 v.Chr. Auch Kelten und vor allem die Römer haben ihre Spuren in Jois und Umgebung hinterlassen, ebenso die stürmische Zeit der Völkerwanderung, die Türkenkriege und die Habsburger Königin Maria von Ungarn. Wenn Sie mehr über die Geschichte der Gemeinde, Geräte aus Feuerstein und die hinkende Germanin von Jois erfahren möchten, darf ein Besuch des Museum Jois in Ihrem Urlaubsprogramm nicht fehlen.

Von der Mittelsteinzeit (10.000 - 5.800 v. Chr.), der Jungsteinzeit einschließlich der Kupferzeit (5.800 - 2.300 v. Chr.), der Bronzezeit (2.300 - 750 v. Chr.), der Eisenzeit (750 - 15 v. Chr.) bis in die Römerzeit (15 v. Chr. - 400 n. Chr.) und Völkerwanderungszeit (375 - 791 n. Chr.) konnte das Vorhandensein menschlicher Spuren nachgewiesen werden.

In den Gemeinderieden "Joisauer und Sartal" (Teile der Joiser Heide) kamen die bisher wahrscheinlich ältesten Funde des Burgenlands, nämlich Geräte aus Feuerstein, zum Vorschein, die auf ca. 7.000 v. Chr. datiert werden. Diese Geräte können im Museum Jois besichtigt werden (Anmeldung im Gemeindeamt).

Die Joiser Heide (Trift), nördlich des heutigen Ortsriedes, diente mehrere tausend Jahre, bis in frühgeschichtliche Zeit, als Siedlungsort und Begräbnisstätte, ehe die mittelalterlichen Siedler im 9./ 10. Jhdt. n. Chr. die Ebene in der Nähe des Neusiedler Sees bevorzugten.

In den Jhdt. v. Chr. besiedelten keltische Stämme das mitteleuropäische Gebiet. Dreizehn dieser keltischen Stämme im Ostalpenraum vereinten sich im 2. Jhdt. v. Chr. und gründeten das Königreich "Noricum", dass somit das erste staatliche Gebilde auf österreichischem Boden darstellte. Noricum kommt aus dem keltisch-gälischen nor=Ost, rig=Reich, Noricum=Ostreich.

Dieses Ostreich weist bereits auf das spätere Ostarrichi (996) und das heutige Österreich hin.
Um den Neusiedler See und in der Gegend der Parndorfer Platte ließen sich die Boier nieder, ein keltische Stamm der von Böhmen her einwanderte. Nachdem die Boier in hartem Kampf die Illyrer verdrängt hatten, wurden sie selber nur allzu bald von Völkerschaften, die aus Südosten vordrangen, vernichtend geschlagen und ließen das Gebiet, das sie kaum erobert hatten, als ödes Land zurück. Von den römischen Geschichtsschreibern wurde dieses verlassene Land als Boierwüste bezeichnet, und ist somit der älteste schriftlich überlieferte Name unseres Gebietes.

Im Jahre 15 v. Chr. wurde Norikum von Rom annektiert und im Jahre 10 n. Chr. Teile davon in die römische Provinz Pannonien eingegliedert. Als Pannonien bezeichnete man das Land der wilden illyrischen Stämme, die heutige Tiefebene Ungarns und Rumäniens, benannt nach dem illyrischen Landgott Pan.
Zur Zeit der Judenaufstände (69 n. Chr.) war ein Teil der Besatzung von Carnuntum (heutiges Petronell) nach Palästina verlegt worden. Nach deren Rückkehr nach Carnuntum kam auch die christliche Lehre in unsere Gegend.
Im Jahre 378 n. Chr. besiegelte ein Einfall der germanischen Völker (Goten und Alanen) das Ende der Römerherrschaft. Das flache, weite Land lag nun für die nach dem Süden drängenden Völkerwanderungsstämme offen.

Auf der Joiser Heide wurde vom Bgld. Landesmuseum 1985 ein bedeutender Fund, ein weibliches Skelett mit einem Eisenmesser und einem Topf, freigelegt. Auf Grund der Beigaben war die Frau eine Zeitgenossin des legendären Hunnenkönigs Atilla (um ca. 450 n. Chr.). Die stürmische Zeit der Völkerwanderung ist an ihr nicht spurlos vorübergegangen. Eine antropologische Untersuchung ergab, dass es sich bei der Frau um eine Germanin (vermutlich eine Gotin) handelt, die eine Hiebmarke am rechten Scheitelbein, einen Doppelbruch am linken Schienbein sowie einen Bruch des linken Wadenbeines und des rechten Daumens aufwies. Alles Verletzungen, die offensichtlich von einem Überfall abstammen, jedoch nicht zum Tod der Frau geführt haben. Von der Ortsbevölkerung wird sie seither "Die hinkende Germanin von Jois" genannt. Das Skelett sowie die Beigaben sind ebenfalls im Museum Jois zu besichtigen.

791 n. Chr. eroberte der Frankenkönig Karl der Große unser Gebiet und beendete die 250 jährige Vorherrschaft der Awaren. Im großen Frankenreich "Imperium christianum" gehörte das Wiener Becken und das heutige Burgenland zur Mark Oberpannonien und befand sich im Machtbereich des Bayernstammes. Dies hatte zur Folge, dass sich im ganzen heutigen westungarischen Raum vorwiegend deutschsprachige Siedler niederließen. Mit Karl dem Großen kam nach der Römerzeit auch das Christentum wieder in unsere Gegend.

Die aus Westsibirien stammenden Magyaren, gelangten um das Jahr 890 n. Chr. in die heutige ungarische Tiefebene. Das vitale Reitervolk setzte über die Donau und nahm ganz Pannonien in seinen Besitz und unternahm verheerende Vorstöße bis Norddeutschland, Italien und Frankreich.
Erst 955 in der Schlacht am Lechfeld bei Augsburg fügte das wiedererstarkte Ostfränkische Heer dem magyarischen Reiterheer eine vernichtende Niederlage zu, von der es sich jahrzehntelang nicht mehr erholte.
Daraufhin vereinigte Fürst Geisa alle magyarischen Stämme unter sich und ließ sich und seinen Sohn Waik taufen. Letzterer erhielt den Namen Stefan und vermählte sich mit der bayrischen Herzogtochter Gisela, Schwester des späteren Kaisers Heinrich II. (1002-1024). Dadurch wurde eine enge Verbindung zwischen dem ungarischen und ostfränkischen Völkern geschaffen.
Im Jahre 1001 erhielt Stefan, nach Zustimmung des Ostfränkischen Kaisers und des Papstes die Königskrone und gründete das ungarische Königreich mit einer eigenen Kirchenprovinz.

Jois wird erstmals im Jahre 1214 unter dem magyarischen Namen Nulos (Übersetztung: Hasenfeld, Heidebauer oder Pfeilschütze) urkundlich erwähnt. In diesem Jahr bestätigt das Domkapitel von Raab (heutiges Györ in Ungarn), dass die Gemahlin des Palatins (ungar. Bezeichnung für Pfalzgraf) Botho III. von Ungarisch Altenburg (heutiges Mosonmagyarovar), Osanna, von Wieselburger Burgleuten 14 Kurien (Hofstätten) um 40 Mark und weitere 12 Kurien um 35 Mark kauft.
Somit gehörte Jois ab diesem Zeitpunkt zur Herrschaft Ungarisch- Altenburg, dem größten geschlossenen Besitzkomplex im Wieselburger (heutiges Moson in Ungarn) Komitat, und blieb bis 1921, als der Anschluss des Burgenlandes an Österreich erfolgte, Bestandteil dieser Herrschaft auf ungarischem Staatsgebiet. Wobei sich über die vielen Jahrhunderte die deutschsprachige Bevölkerung zur Gänze erhalten hat.

Die Besiedelung des heutigen Ortsriedes reicht jedoch viel weiter zurück. Bei Ausgrabungen am Kirchberg im Jahre 2001 wurde ein Friedhof des Hochmittelalters (9./10. Jhdt. n. Chr.) freigelegt. Das Vorhandensein eines Friedhofes setzt auch voraus, dass es in unmittelbarer Nähe auch eine Siedlung gegeben hat, vermutlich am heutigen Hauptplatz, dem ältesten Teil des Ortes.

1450 wird die Pfarre Jois erstmals urkundlich erwähnt. Im Laufe des 16. Jhdts. wird die Pfarre vorübergehend evangelisch. Erst Mitte des 17. Jhdts. setzt eine energische Rekatholisierung ein.
Die Röm. Kath. Pfarrkirche zum Heiligen Georg in Jois aus dem Jahre 1757 zählt zu den schönsten Barockkirchen des Burgenlandes, steht auf einer Anhöhe oberhalb des Dorfes und prägt mit ihrem schlichten und einfachen Fassadenturm, weithin sichtbar das Bild der Gemeinde.
Im Ort befindet sich noch die 1898 begonnene und 1937 fertiggestellte Röm. Kath. Herz- Jesu Kirche.

Im ältesten bekannten Grundbuch der Herrschaft Ungar. Altenburg von 1525 wird der Ort als "Gews (alte Schreibweise von Jois), der Marckth" bezeichnet. Der genaue Zeitpunkt der Marktrechtverleihung ist bis heute nicht bekannt.

1524 verleiht Königin Maria von Ungarn den Bewohnern von Geusz das Privileg die Weinfässer mit einem "G" zu versehen und gestattete damit die freie Weinausfuhr. So war es schon damals möglich, Joiser Wein nach Bayern, Mähren und Polen auszuführen. Dieses Privileg hatten zu dieser Zeit nur noch die Gemeinden Neusiedl am See und Rust, wodurch die Bedeutung der Joiser Weine bereits zur damaligen Zeit bestätigt wird.

Noch heute ist im Joiser Gemeindewappen das "G" der Weinfässer erhalten, sowie die Kirsche, die nach dem Wein- und Ackerbau die wichtigste Einnahmequelle der damaligen Zeit darstellte. Heute ist der Kirschbaum nur mehr vereinzelt anzutreffen, die Namen "Joiser Herz Kirsche" und "Kirschblütenregion" weisen noch auf die einstige Bedeutung dieser Bäume hin.

Wie die anderen Ortschaften am See hatte der Markt in den Türkenkriegen 1529 und 1683 sowie anlässlich der kriegerischen Ereignisse im Zuge der ungarischen Aufstände 1604 (Bocskay), 1620 (Bethlen), 1704 - 1709 (Rakoczi II.) stark zu leiden.

Herausgeber: Museum Jois - Museumsverein - Verantwortlich für den Inhalt: Ing. Christian Seywerth
Quellennachweis: Auszug aus der Ortschronik von Jois

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